Altes Handwerk neu entdecken - Handwerk 'Wissenswertes'
Altes Handwerk neu entdecken -  Näh+Bortenstübchen     H.-S.
Brettchen weben und Kumihimo flechten
Hier findet Ihr ein wenig Geschichte und Wissenswertes

Brettchenweben

Das Weben von Bändern, Borten, Gürteln und vielen anderen Dingen mit Hilfe von so genannten "Brettchen" ist eine Technik, die seit tausenden von Jahren auf unserem Planeten betrieben wird.
 
Es gibt unzählige Techniken aus den unterschiedlichsten Regionen unserer Erde, von denen ich natürlich nur einen kleinen Teil aufführen kann.
 
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So fand man in Dätgen  zwei Bänder in doppelseitig gewebter Technik. Wir nennen es heute: Doubleface- und  Köpertechnik und nimmt an, das diese Bänder aus dem 2.-3. Jhd. stammen.
 
Webzeug fand man z. B. im Grabe der Königin Asa, 9. Jahrhundert n. Chr.
    
Im fernen Osten entdeckte man die ersten Funde, im chinesischen Turkistan und schätzte diese auf 750 - 900 n.Chr. 
 
 Von der fränkisch/merowingischen Königin Bathilde von Chelles (630 - 680 Jhd. ) war die Grabkleidung verziert mit brettchengewebten Borten in der 2-Loch-Technik.
 
In der "Edda", einem isländischen Werk (aus der Literatur), das zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert geschrieben wurde, ist erwähnt:
"hunskar meyjar paer’s hlada spjoldum ok gøra gullfargt"
was soviel bedeutet wie:
Hunnische Mädchen, die goldene Bänder mit Brettchen fertigten
 
 Eine Vinjette in der Technik Double-Face
Die Brettchenweberei war auch im Mittelalter eine beliebte Technik zum Herstellen von Borten, Gürteln und Kordeln und kann getrost angewandt werden, egal, ob man nun ein Wikinger, Mongole, Hunne oder einen hoch mittelalterlichen Ritter darstellen möchte.
Wer was auf sich hielt, oder dieses Handwerk beherrschte, verschönerte seine Kleidung damit.
Wer es nicht so mit Reenactment hat, kann die Bänder auch zur Herstellung einer ganzen Reihe von schönen Dingen benutzen. Z.B. vom Lesezeichen über Hundeleinen, oder Schnürsenkel bis hin zu Gitarrengurten oder auch als dekorative Hängevorrichtung für Pflanzenkübel - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Unscheinbare quadratische Plättchen mit Löchern in den Ecken gaben vor zwei Generationen den Anstoß zur Neuentdeckung der Brettchenweberei. Heute ist diese Webart in weiten Kreisen bekannt, während die Zahl derjenigen, die die Auferstehung der verschwundenen Webtechnik miterlebten, immer kleiner wird. Die vergangenen Epochen und aus fernen Ländern zu uns gelangten Gewebe üben aber nach wie vor den gleichen Zauber aus, wie zur Zeit ihrer Entdeckung.
 
"Birka-Borte - Typisches Muster für die Insel 'Birka'"
Ziemlich spät ist die Brettchenweberei Gegenstand der Forschung geworden. 1873 trat sie erstmals in das Blickfeld der Gelehrten, als der Internationale Anthropologische Kongress unter der Führung von Hjalmar Stulpe die Insel Birka im Mälarsee besuchte. Ein Jahr danach wies dieser Forscher in seinem Bericht auf eine auf Birka gefundene Knochenplatte mit Löchern hin und bezeichnete sie als Teil eines Webgerätes, wie es im Nordischen Museum in Stockholm vorhanden und in Schweden noch auf dem Lande in Gebrauch war. Den eigentlichen Anstoß zur wissenschaftlichen Entdeckung der Brettchenweberei und ihrer Technik gaben aber die isländischen Studien von Margarethe Lehmann-Filhés in Berlin auf Grund des Aufsatzes des isländischen Pfarrers Thorkell Bjarnason (ca.1892). Da es ihr unverständlich war, auf welche Weise die in der Arbeit mehrfach erwähnten, mit "Brettchen" gewebten Strumpfbänder und gemusterten Bändern entstanden, begann sie nach der unbekannten Technik zu forschen. Im Dänischen Volksmuseum in Kopenhagen entdeckte sie 12 eingefädelte Holztäfelchen mit ihren Kettfäden, die sie sogleich als Werkzeug der Brettchenweberei erkannte. Mit Hilfe nachgebildeter Holztäfelchen gelang es ihr, aufgrund eines winzigen Abschnittes, eines isländischen Bandes, die Technik in allen ihren Möglichkeiten zu entwickeln. Das Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlichte sie 1897 in der "Illustrierten Frauenzeitung". Das dadurch wachgerufene Interesse war so groß, das Ethnologen, Prähistoriker, Archäologen und Forschungsreisende von ihr mit der Technik und ihren Merkmalen vertraut gemacht - mit Begeisterung dem Ursprung und Vorkommen der Brettchenweberei nachzuspüren begannen und ihrer Lehrerin Material aus allen Ländern zu trugen. Handwerkliche Geschicklichkeit, innere Erlebnis fülle und sinnen frohe Wahrnehmungskraft und eine beflügelte Gestaltungsfreude stellen eine dreifache Einheit menschlicher Wesensäußerung dar. Die Glieder dieser Einheit sind voneinander abhängig. Eines erzeugt sich in dem Wirksam werden der anderen.
 

"Solche Einheit zu gewinnen, sie in den Ereignissen des Lebens zu verwirklichen, kann als Spielfeld und Ziel menschlicher Würde angesehen werden."
 Zitat: Marga u. Heribert Joliet van den Berg

Ich wünsche jedem, der sich am Brettchenweben versucht,
auf jeden Fall viel Vergnügen, Geduld und gutes Gelingen!
geschrieben von Gabriele H.-Spelten

 
Kumihimo ist eine traditionelle Flechtkunst in Japan, seit 700 Hundert vor Christi. Das Erlernen dieses wertvollen Handwerks war nur den Frauen aus Königs-und Fürstenhäusern bis Mitte des 1900 Jahrhunderts, vorbehalten und dient noch heute zum schnüren ihrer Kimonos. Ein solches Band nennen die Japaner Obijime und ist aus Seide geflochten. Aber auch die Handgriffe der japanischen Schwerter wurden mit hauchdünnen Seidenbändern verziert.
Diese geflochtenen Schnüre wurden und werden auch heute noch, für religiöse Zeremonien verwendet. Aber auch für Spiegel und Fächer zu verzieren  und Bildrollen zu verschnüren, sowie für Tee Zeremonien.
Ich persönlich arbeite Schnüre zum schließen meiner Mongolischen Kleidung, zum schnüren von Lederarmstulpen zum Bogenschießen, als Schnürriemen an mittelalterlichen Schuhen und Stiefeln, als Knoten auf mongolischen Hüten, usw. Stöbert doch mal unter 'Beispiele'.
Meine Bänder dienen als Haarschmuck und zum verschönern meiner historischen Gewandungen und wo immer man diese auch verwenden und zeigen möchte. 
Natürlich haben auch andere Völker geflochten. So wurde in Peru über die Hand geflochten, oder die Engländer haben wunderschöne Fischgrätenmuster in Rechteckbändern und Widderformationen in Kordelform entworfen und geflochten.  Womit sie das taten, entzieht sich meiner Kenntnis.


Heute z.B. ist eine Nachbildung dieses Handwerks mit der Mobidai-Scheibe sehr bekannt. Ihr könnt unsere Gabi von der Dünnwalder Hunnenhorde, damit unter 'Beispiele', arbeiten sehen.

Was braucht man um diese kunstvollen Bänder und Kordeln herstellen zu können.
Einen Marudai


Gewichte, Gegengewichte und Schnüre

Säckchen für das Gegengewicht, Haken und Bändchen, einen Stab


Seide
Bücher


Natürlich kann man auch mit Baumwollgarnen, Stickgarn und Wolle flechten.
 
Sogar Pferdehaar kann über den Marudai verflochten werden, welches ich auf dem Stämmelager 2004 dem Publikum vorgeführt habe. Dieses Band findet ihr ebenso unter 'Beispiele'.
geschrieben von Gabriele H.-Spelten

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